Der VSS zu Besuch im Bundeshaus Bern

Trotz der prüfungsintensiven Zeit im Juni, hat sich unter der Initiative von Andrija Stojkovic eine Gruppe von 8 aktiven Mitgliedern des Vereins Serbischer Studenten zusammengefunden um das Herz der Schweizer Demokratie – das Bundeshaus in Bern – zu besuchen. Unser Besuch im Bundeshaus sollte kein gewöhnlicher werden, denn wir wurden von Peter Keller, dem Nidwaldner Nationalrat der Fraktion Schweizerische Volkspartei (SVP) angehörig, persönlich eingeladen.

Um pünktlich im Bundeshaus einzutreffen und so einen ersten guten Eindruck zu hinterlassen, wollten wir vor uns eine halbe Stunde vor dem Termin am Berner Bahnhof zu versammeln. Wie es der Zufall so will, hatte unser Zug von Zürich kommend massiv Verspätung und ein Vereinsmitglied war wegen einem Missverständnis am Bahnhof nicht auffindbar, dennoch schafften wir es rechtzeitig, jedoch ausser Atem, zur Eingangskontrolle ins Bundeshaus, wo uns auch gleich Herr Keller herzlich empfangen hat.

Er führte uns durch die Gänge des Bundeshauses und dann zum Nationalratssaal, wo er eine wichtige Abstimmung zur Agrarpolitik hatte. Derweilen konnten wir den anregenden Diskussionen und Abstimmungen bekannter Politgrössen wie dem Präsident der Schweizer Bauernverband Markus Ritter (CVP), Toni Brunner (SVP), Balthasar Glättli (Grüne) oder dem jüngsten Parlamentarier Fabian Molina (SP) von der Besuchertribüne aus verfolgen. Das Treiben im Nationalratssaal erinnert an eine grosse Schulklasse: nicht allen Rednern wird höchste Aufmerksamkeit geschenkt, prominente Politiker besetzten die hintersten Tischreihen und nebenbei werden mehr oder weniger wichtige Zweiergespräche geführt und ab und zu auch das Facebook und Twitter-Profil abgeckeckt. Peter Keller bestätigt unsere Beobachtung teilweise; die meisten Politiker hätten die Dossiers gelesen und bereits eine parteiinterne Entscheidung getroffen, weshalb dann den Rednern nicht immer aktiv zugehört werden müsse, jedoch bei der Frage- und Diskussionsrunde sei die Interaktion zwischen den Politikern viel aktiver. Einflussreiche Politiker würden tatsächlich die hintersten Plätze im Nationalratssaal besetzten, dies sei ein ungeschriebenes Gesetz. Kurz vor der Abstimmung über die einzelnen Punkte der Agrarpolitik eilen dann auch alle Politiker an Ihre Tische.

Unser Rundgang mit Herrn Keller geht weiter und wir gehen vorbei an der Vitrine mit den zahlreichen Mitbringsel ausländischer Delegationen, wie z.B. einer Holzschnitzerei aus Kamerun oder der «Göttin auf Thron» aus dem Kosovo, welche die Bundesräte erhalten haben, jedoch persönlich nicht annehmen dürfen. Die Schweiz verteilt im Gegenzug Kugelschreiber, Sackmesser und Armbanduhren bei ihren Staatsbesuchen. Wir bleiben stehen unter der 100-jährigen Bundeshauskuppel, wo uns Peter Keller als studierter Historiker den geschichtlichen Hintergrund zur imposanten Architektur des Bundeshauses geben kann. Die verwendeten Materialien stammen zu 95 Prozent aus der Schweiz. Sie seien eine sinnbildliche Darstellung der Schweiz und verdeutlichen die kulturelle und materielle Vielfalt der Schweiz. So zeigen die vier Bogenfenster der Kuppelhalle symbolisch Darstellungen zur Schweizer Geschichte – das Nordfenster zeigt einen florierenden Warenhandel am Rheinhafen, das Ostfenster die starke Textilindustrie St.Gallens, das Südfenster die Landwirtschaft und Alpenregion und das Westfenster die Metall- und Uhrenindustrie der Westschweiz.

Im Grand Café Galerie des Alpes, dem wohl exklusivsten Restaurant der Schweiz mit wunderschöner Sicht auf das Berner Alpenpanorama, wurde ein Tisch für unsere Gruppe reserviert. Zutritt zum Restaurant haben nur Parlamentarier, Lobbyisten oder geladene Gäste. Zu uns gesellt sich noch Alfred Heer (SVP, ZH), Peter Kellers Parteikollege. Wir hatten eine äusserst interessante Unterhalten über unseren Studentenverein, Studium, Kultur und Sport, aber auch über die Integrationspolitik und insbesondere auch über die Serben in der Schweiz. Sowohl Peter Keller, Historiker und Journalist bei der Weltwoche, als auch Alfred Heer, Wahlbeobachter und Europaratsmitglied, haben uns beeindruckt mit ihrem Wissen und Verständnis über die jüngere Geschichte Ex-Jugoslawiens. Aber auch wir, als Vertreter des Serbischen Studentenvereins, konnten – so denken wir – ein gutes Bild hinterlassen, ein Bild von ambitionierten jungen Erwachsenen, welche ihre Schweizer Heimat schätzen und zugleich die positive Entwicklung von Studenten oder Schülern serbischer Abstammung fördern.

Spät am Abend verabschieden wir uns von unserem Gastgeber und danken für den schönen Rundgang, die anregenden Gespräche und die grosszügige Einladung zum Abendessen. Sehr gerne folgen wir einer nächsten Einladung auf Bundesbern.